Dörner, Dietrich - Die Logik des Misslingens, Strategisches Denken in komplexen Situationen |
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Da ist einerseits die umweltbewusste, norddeutsche Gemeinde, deren Verkehrsberuhigungs-Konzept so gründlich danebenging, dass sie in ernsthafte wirtschaftliche Schieflage geriet, und da ist andrer-seits ein hochkarätiges Team von Spezialisten, das einen Reaktor in die Katastrophe steuert und dies erst bemerkt, als es zu spät ist.
Warum treten bei der Behandlung komplexer Systeme so häufig Probleme auf oder kommt es, wie im Falle Tschernobyl geschehen, sogar zur Katastrophe?
Dietrich Dörner erklärt in seinem Buch „Die Logik des Misslingens“ anschaulich und obendrein unterhaltsam, weshalb die typisch menschliche Denkweise in Kausalketten bei der Behandlung komplexer Unterfangen oft nicht zielführend ist. Man sieht die Knoten und nicht das Netz.
Das Vorhandensein vieler Merkmale allein macht ein System noch nicht komplex. Erst deren Abhängigkeit untereinander und ihre wechselseitige Beeinflussung erzeugen Komplexität und machen die Behandlung derartiger Situationen so schwierig.
An realen Beispielen und den Ergebnissen vieler Planspiele zeigt Dörner auf, dass komplexe Handlungssituationen oft noch zusätzlich einen hohen Grad an Intransparenz und eine gewisse Eigendynamik aufweisen. Die Reaktionen auf einen Eingriff erfolgen oft sehr zeitverzögert und liefern damit erst sehr spät das für eine Kontrolle notwendige Feedback.
Dörner selbst vergleicht einen Akteur in einer komplexen Situation mit einem Schachspieler, der sehr viele Figuren bedienen muss, die alle untereinander mit Gummifäden verbunden sind. Außerdem bewegen sich seine und des Gegners Figuren z. T. auch von allein, ohne dass er weiß nach welchen Regeln. Und obendrein befindet sich ein Teil des Schachspiels im Nebel und ist nur schwer oder gar nicht zu erkennen (frei zitiert).
Nach dem Lesen dieses Buches versteht man besser, weshalb es so schwierig ist für Probleme wie Klimawandel oder den Kollaps ganzer Wirtschaftsysteme Lösungen zu finden.
Bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2006 war Prof. Dr. Dietrich Dörner Lehrstuhlinhaber für Theoretische Psychologie an der Universität Bamberg.
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